Donnerstag, 21. September 2006

#12 -- Maximilian Hecker's I'll be a Virgin, I'll be a Mountain



Wie aus höchsten Höhen gestoßen, der unaufhaltbare Fall hinunter. In tiefste Tiefen. Dem Undenkbaren ins Auge schauend. Tausend Kissen bedecken den Boden. Das große Finale endet nicht in einem farblosen Nichts. Der Schmerz bleibt. Betäubt durch die Stunden des Fallens, liegt die Welt hinter einem blassen Vorhang. Gefühle schimmern hindurch, liegen dennoch in der Ferne.
Alles was nach vorne zeigt führt in die Dunkelheit des Ungewissen. Zurück also. Die Flucht in Gedanken. Farben und Formen entstehen, verändern sich ohne Stillstand. Aus dem Farbspiel wird eine plötzliche Klarheit. Starr begreift man was geschah.
Als wäre das nur ein Film und als würde es ein Sequel geben, schreibt Maximilian Hecker ein Album, das Zukunftsvisionen in die Dunkelheit malt. Die Farben entleiht er der Vergangenheit. Ohne zu zerreissen, umhüllt einen dieses Werk. Ein Unikat.
Zwischen Klavier und Gitarre, zwischen Heimweh und Fernweh, Hecker hat seine Nische gefunden. „I’ll be a Virgin, I’ll be a Mountain“ ist der unvernünftige Wunsch alles zu besitzen, was unerreichbar schheint. Die Schönheit dieser Melancholie, überwältigt.

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[ 22 - 09 - 2006 ] [ V2 Records;Rough Trade ]

#11 -- Clickclickdecker's Nichts für ungut



Am Horizont beginnt die Sonne langsam den Himmel zu erklimmen. Zaghaft wirft sie ihre ersten Strahlen durch die Straßen dieser Stadt. Taucht Fassaden in goldenes Gelb. Zeit für Romantik hat man in diesen Moment viel. Weit ist der Weg nach Hause, wenn man ihn vergessen hat. Vergessen zwischen zu vielen Worten und mindestens genauso viel Bier. Angesichts der Übermüdung, die man mit sich trägt, mögen manch einem die Augen zufallen. Was sie auch schließlich tun.
Ich bitte hier um eine Differenzierung. Denn in diesen Augenblicken scheiden sich die Geister. Den einen fallen die Augen zu und sie sind außerhalb aller Wahrnehmung. Dann gibt es wiederum die wenigen anderen. Bei ihnen wäre es ein Fehler geschlossene Augen mit verschlossener Aufmerksamkeit gleichzusetzen. Kevin Hamann, einer von ihnen.
Schleichend lebt er sich durch die Welt eines Mitzwanzigers. Den Tanz auf dem Parkett namens Leben, das marschieren durch leere Straßen des Morgengrauens. Er weiß es in Worte zu fassen. Nun fragt sich manch einer, wer denn dieser Kevin Hamann sei. Mehr Klarheit dürfte der selbst gegebene und aus einem Song der Indie Urgesteine Wedding Present entstandene Künstlername verschaffen: Clickclickdecker.
Das Gesicht auf dem Parkett bekommt ein Gesicht. „Ist das nicht der Typ, der schon gefühlte zwanzig Scheiben in Eigenregie rausgehauen hat?“ Eben dieser. „Die mochte ich. Immer gesagt was los. Ordentlicher Kerl.“
Krumm gemacht hat sich nicht mit seinem neuen Studioalbum „Nichts für Ungut“. Dieser Herr Click schreibt seine Lebensgeschichte unverblühmt nieder, singt sie und nimmt sie irgendwann auf. Das dabei - ohne Übertreibung - die hörbarste und authentischsten deutschen Popsongs seit Tomtes „Eine sonnige Nacht“ rauskommen. Man sollt es ihm einmal ins Ohr schreien, wenn man ihn trifft. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

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[ 25 - 09 - 2006 ] [ Audiolith;;Borken Silence ]
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